Case: Stadtbibliothek Aachen
Das Schieben schwerer Bücherwagen ist nun endgültig passé
"Alle getroffenen Absprachen wurden ebenso wie der Zeitplan verlässlich eingehalten. Die Zusammenarbeit funktionierte mit Lyngsoe wirklich gut. Sprachbarrieren spielten keine Rolle.“
Lisa Kmoch, Verantwortliche Projektleiterin: Stellvertretende Bibliotheksleitung


Selbstverbuchung mit RFID – neueste Technik als Motor der Weiterentwicklung der Stadtbibliothek Aachen
Bei der Einführung der Selbstverbuchung wurden die hauptamtlich geleiteten Bibliotheken mit RFID-Technik ausgestattet: Das sind die Zentralbibliothek mit einer größeren Sortieranlage sowie einer Außenrückgabe, ein Bücherbus sowie zwei Stadtteilbibliotheken. An diesen Standorten ist das Bibliotheksmanagementsystem Libero, Libero Systems Pty.Ltd, Australien, im Einsatz.
Davon unabhängig bestehen im Stadtgebiet vier weitere, ehrenamtlich geführte Nebenstellen, die teilweise analog arbeiten und folglich nicht auf RFID umgestiegen sind. Der Umfang des Freihandbereichs, also des Medienbestandes, der im ersten Schwung umgerüstet werden sollte, umfasst rund 175.000 Medien. Das Team aus über 60 Personen hat die Zeit des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 produktiv fürs Konvertieren der Medien genutzt, denn die vorgeschaltete Ausschreibung von Tags und RFID-Ausweisen konnte bereits 2019 starten.
Die Herausforderung
Ausgangslage
Die Vorplanungen für die Einführung einer Selbstverbuchung liefen seit 2008, doch erst Jahre später konnte die grundlegende Modernisierung* der Stadtbibliothek Aachen realisiert werden (Mit der Einführung der neuen Technik ging parallel eine bauliche Umgestaltung des Eingangsbereiches und eine Renovierung des Erdgeschosses einher). Das Land NRW förderte die Einführung der Selbstverbuchung und die damit verbundenen baulichen Veränderungen finanziell. Während vielerorts andere Bibliotheken bereits Erfahrungen mit Selbstverbuchungsanlagen sammeln konnten, oder gar das „End-of-life“ ihrer Geräte verkraften mussten, konnte die Stadtbibliothek Aachen auf den Erfahrungen aufbauen. Zwischenzeitlich hatte sich die Technik weiterentwickelt und die Marktlage der Anbieterfirmen gesetzt. Trotz des relativ späten Umstiegs von Thekenverbuchung auf RFID profitierte also die Stadtbibliothek Aachen.
Bei der Suche nach passgenauen Lösungen, sollten die Abläufe der Medienverbuchung vereinfacht und beschleunigt werden. Mit RFID-Zutrittskontrollen sollten zukünftige Entwicklungen wie flexiblere Öffnungszeiten (Open Library) grundsätzlich möglich sein. In der Konzeptionsphase hatten sich die Überlegungen nach Ergonomie als unverzichtbare Voraussetzung herausgebildet. Viele Anwendungsbibliotheken setzen für die Sortierung der Medien Bins, also Auffangbehälter, als Sortierziel ein. Hier muss das Personal die zurückgegebenen Medien noch mal auf Rollwagen umlagern. Die Bücherhallen Hamburg hatten bereits eine Sortieranlage mit Stapelbücherwagen im Einsatz, auf denen die Bücher schonend und aufgereiht abgelegt werden und die dem Personal eine rückenschonende Rücksortierung am Regal ermöglicht. Nach dem Lesen unterschiedlichster Erfahrungsberichte, den Kontakten zu anderen Bibliotheken und der Einschätzungen aus der Bibliotheks-Community, verfestigte sich der Wunsch, so etwas auch in Aachen einzuführen. Der Transport und die Rückbuchung der Medien sollte zügig und stabil laufen und differenziert vorsortiert werden. Bei all diesen Überlegungen wurde das Planungsteam von dem stadtinternen Projektlenkungsausschuss unterstützt. Das ist ein Gremium aus Vertretern verschiedenster Ämter, dem Arbeitsschutz sowie weiteren mitbestimmungspflichtigen Gremien. So wurden diese Anforderungen letztlich in der europaweiten Ausschreibung formuliert.
Ausgeschrieben waren mehrere RFID-Pads, eine Rücksortieranlage mit 17 Sortierzielen, angeschlossenen 13 Stapelbücher- und Austauschwagen, zwei Rückgabeterminals, eine Außenrückgabe, vier höhenverstellbare Verbuchungsstationen sowie ein Sicherungsgate mit integrierter Besucherzählung. Die Firma Lyngsoe Systems erhielt den Zuschlag.
Stufenweises Vorgehen: Konvertierung des Medienbestandes, Installation der RFID-Komponenten, schrittweise Inbetriebnahme
Zusammen mit dem städtischen IT-Dienstleister, der Bibliothekssoftware-Firma und städtischen Vertretern wie dem Gebäudemanagement und einem externen Architekturbüro wurden die notwendigen Vorarbeiten geplant. Das Zusammenspiel brauchte von allen Seiten Offenheit, Vertrauen und Flexibilität.
Pünktliche Installation
Im Oktober 2020 konnten die Komponenten geliefert und zügig installiert werden. An die Sortieranlage sind zwei Rückgabestationen (rollstuhlgerecht und in unterschiedlicher Höhe) und eine innen liegende Außenrückgabe (24/7 videoüberwacht) angeschlossen. Um Platz für Transportbänder und Ergo Carts zu schaffen, hatte die Stadtbibliothek einen bisher für Veranstaltungen genutzten Raum umgewidmet. Schließlich sei die Aachener Sortieranlage mit gekoppelten Ergo Carts, laut Aussage von Lyngsoe, nach den Hamburger Bücherhallen die größte Installation unter öffentlichen Bibliotheken in Deutschland (Stand Dezember 2020). Für DVDs und CDs sowie Zeitschriften wurden nachträglich weitere sechs Medienboxen integriert.
Bei laufendem Bibliotheksbetrieb arbeitete die Stadtbibliothek in der Übergangsphase hybrid: Konventionell ausgeliehene Medien konnten nach Fertigstellung der Sortieranlage bereits über die Rückgabeterminals zurückgegeben werden. Die händische Verteilung auf Bücherwagen entfiel und wurde durch die automatische Zuordnung auf die Ergo Carts ersetzt. Die aufgestapelten Bücher sind auf dem Wagen gut abkoppelbar, leichtgängig und lassen sich rasch an den richtigen Medienstandort rollen. Dies ermöglicht ein problemloses Wiedereinräumen der zurückgegebenen Medien. Diese stehen den Kundinnen und Kunden nun schneller wieder zur Verfügung. Das Sicherheitskonzept überzeugt. Pflege und Wartung sind in den Handbüchern gut beschrieben und leicht umzusetzen. Von der automatischen Möglichkeit, das Medienbrett auf Griffhöhe zu hieven, waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Anfang an begeistert. Das Schieben schwerer Bücherwagen ist nun endgültig passé.

Resultate
Viel einfacher zu handhaben
Eine Kollegin, die früher in einer anderen Großstadtbibliothek schon mit RFID zu tun hatte, aber ohne Sortieranlage oder Stapelbücherwagen gearbeitet hat, meint dazu: „Es ist viel einfacher zu handhaben (…) Ich kannte in der Zweigstelle bisher nur die so genannten ‚intelligenten Rücksortierregale‘, in der die Kundinnen und Kunden eigenhändig ihre Medien grob vorsortieren. Wenn‘s ans eigentliche Rücksortieren geht, rollt das Personal damit durch die Bibliothek. Das war umständlich und schwergängig.“ (…) „Mir gefällt vor allem das Design der neuen Außenrückgabe. Die ist optisch ansprechend und selbsterklärend und fügt sich in den Vorraum gut ein.“ (…) „Die Aachener Lösung mit RFID ist im Vergleich echt optimal“.
Die Außenrückgabe wird von Anfang an gut angenommen und verzeichnet immer noch steigende Zugriffszahlen. Viele Kundinnen und Kunden geben darüber positives Feedback.
Die Selbstverbuchungsterminals können flexibel platziert werden und stehen auf höhenverstellbaren Tischen. Die Bedienung ist intuitiv und kinderleicht, so dass die Kundinnen und Kunden nach einer kurzen Eingewöhnungsphase das Verfahren schnell akzeptierten. In der Zentralbibliothek sind Rückgabe und Ausleihen von Medien getrennt. In den Stadtteilbibliotheken erledigen die Selbstverbuchungsgeräte alles in einem.
Herausforderung
Eine deutliche Herausforderung aber war die Pandemie. Schulungen konnten manchmal nur virtuell stattfinden, doch mit Umsicht, Pragmatismus und Geduld ist es gelungen, das komplexe Projekt im Zeitplan fertig zu stellen. Nach umfangreicher Reorganisation und mit neuer Logistik ist damit die Stadtbibliothek Aachen für künftige Entwicklungen gut aufgestellt.




"Die Kundinnen sind beeindruckt von den Möglichkeiten. Das diskrete Ausleihen und die Rückgabemöglichkeiten rund um die Uhr – wir erhalten sehr viele positive Reaktionen. Die Stadtbibliothek Aachen hat damit den Sprung ins 21. Jahrhundert geschafft."

Lisa Kmoch
Verantwortliche Projektleiterin